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Auf der Suche nach den geschichtlichen Hintergründen der Elbinsel Lühesand, stieß ich im "Allgemeinen Haushaltungs-Kalender" aus dem Jahre 1979 auf diesen schönen Bericht: |
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Freizeitparadies im Elbstrom - Lühesand von Viktor Rihsé, Stade |
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So wie sich heute die langgestreckte Insel in der Elbe darbietet, war sie nicht immer. Alles, was von fließendem Wasser umspült wird, verändert stets seine Form, alles ist ständig im wahrsten Sinne des Wortes "im Fluss". Auch bei der Insel Lühesand, die durch einen Binnenelbarm vom Alten Land getrennt ist und dem neuen Elbdeich gegenüber liegt, etwa zwischen Hollern-Twielenfleth und Sandhörn. Verwaltungsmäßig gehört sie zur Gemeinde Grünendeich und hat heute eine Länge von 3,2 Kilometern bei einer größten Breite von 500 Metern, an beiden Enden schön gleichmäßig spitz auslaufend. |
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Schaut man auf eine Karte von 1750, dann gab es Lühesand im heutigen Sinne noch gar nicht. Vielmehr bestanden damals drei Inseln: Twielensand, Twielenflethersand und Bajeckensand. Den Bajeckensand - mehr gen Hamburg zu gelegen - hat die Elbe total aufgelöst. Er ist einfach nicht mehr vorhanden, wie eine Karte von 1899 es klar ausweist. Dagegen sind Twielen- und Twielenflethersand in diesem Zeitraum zusammengewachsen und verlagerten sich dabei in Richtung Hamburg und der Lühemündung; die so entstandene Insel nannte man Lühesand. |
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Noch um die Jahrhundertwende war Lühesand in seiner Länge von einem Priel durchflossen und somit geteilt. Strombaumaßnahmen und Sandaufschüttungen von Baggerarbeiten in der Elbe veränderten das Inselbild nochmals. Bei hohen Sturmfluten wird Lühesand heute etwa in der Mitte, quer zur Fließrichtung der Elbe immer noch unter Wasser gesetzt - selbst an trockenen, heißen Sommertagen unschwer am frischen Grün des Schilfes und anderer Wasserpflanzen und dem schlickigen Erdreich zu erkennen. Die Freizeit-Geschichte von Lühesand begann etwa in den Jahren 1928 bis 1930 mit Paddlern und anderen Wassersportlern, die von Hamburg oder aus dem Stader Raum kommend, hier in sandigen Buchten anlegten, zelteten, übernachteten und nach Altvätersitte über offenem Feuer, Treibholz gab es in ausreichender Menge, ihr Süppchen kochten. |
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Im Sommer graste Rindvieh. Dabei war die Futtersuche gar nicht so einfach, denn damals sah Lühesand sowie der Name ja sagt weitaus sandiger aus. Heute dagegen kann man sie fast als gut begrünt bezeichnen. Blumen blühen und Weiden und Bäume und Gräser wachsen gut und hoch. |
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Der Familie Blohm gefiel die Insel so gut, dass sie 1947 ganz nach Lühesand zog (Vater Heinrich hatte die Insel schon jahrelang betreut), mit dem Sohn Willi, der heute für die Belange der Insel und der Campingfreunde verantwortlich und Angestellter der Gemeinde Grünendeich ist. Damals entstand auch das erste feste Haus. Zwei Jahre später siedelte sich auf der Insel eine Nerz- und Silberfuchs-Farm an, da hier der strenge Geruch der Tiere niemanden störte. |
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Bis 1962 fand Camping oder Zelten, wie man damals noch sagte, wild statt und war kostenlos. Mit der Februar-Sturmflut von 1962 wurde das Schicksal der Farm besiegelt und das Eiland fast völlig überspült, auch das Haus des Farmbesitzers weggeschwemmt. Lediglich das Haus der Familie Blohm wurde verschont. Selbst heute, nach den Deicherhöhungsarbeiten auf dem Festland, liegt das Haus Blohm, bewohnt und zum Teil Gastwirtschaft, einen halben Meter höher als die Deichkronen gegenüber. |
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1962 war es aber auch, als von Willi Blohm der Fährbetrieb fest übernommen wurde und nach Fahrplan zu einer beweglichen Brücke wurde für diejenigen Gäste, die kein Boot ihr eigen nennen konnten. Auch dies war noch eine Auswirkung der Sturmflut im Februar, da viele, die sonst in Cuxhaven ihre Freizeit verbrachten und viel verloren hatten, nun ihr Herz für Lühesand entdeckten. Schließlich begannen sich immer mehr Menschen für Camping zu interessieren. Ein Eiland, auf dem es keine Autos, dafür viel Natur gab, bot sich an: Lühesand praktisch vor der Haustür! Genau genommen stimmt das mit den Autos nicht ganz. Denn bei grimmiger Kälte im März 1963, als die Lühesander Binnenelbe völlig zugefroren war und die Kinder der Familie Blohm zu Fuß über das Eis zum Festland und zur Schule gingen, kam auf diesem Wege das erste Auto, mehr geschoben als fahrend, nach Lühesand. Auch heute erleichtert ein Geländewagen die gewachsenen Aufgaben des Inselwartes. Zu jener Zeit übrigens die Zahl der Dauercamper war gewachsen und die Lust am Tanz ebenso kamen auch Amateur-Musikanten (die Gebrüder Wienen) auf die Insel. Transportmittel waren Faltboote, und oben auf thronte die Pauke. Was man früher improvisierte, wird heute fest organisiert. Geblieben ist jedoch die Gemütlichkeit in der Freizeitgemeinschaft. Das verbindende Du gehört auf Lühesand zur üblichen Umgangssprache wie die ständige Hilfsbereitschaft der Familie Blohm. Es gibt Wasser vom Festland und elektrischen Strom. Dennoch sind die gemütlichen Petroleumlampen, die abends den Gastraum im Hause Blohm erhellen, noch nicht ausgestorben. Es gibt nun auch Toiletten, Dusch- und Waschräume für die Camper. Allerdings muss man das notwendige Wasser immer noch zu seinem Freizeitdomizil tragen. |
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Heute ist Lühesand mit 124 Hektar Ausdehnung dreigeteilt. Während die eine Hälfte hauptsächlich vom April bis August den Vögeln und dem Vogelschutz vorbehalten ist, gehört ein Viertel den Freunden des Campings und das andere Viertel den Wochenendhaus-Besitzern. Mancher ist erstaunt, wenn er von den Vogelschützern hört, dass auf Lühesand 18 verschiedene Vogelarten brüten und ihre Jungen aufziehen und vier andere Arten Gäste dieser Insel sind. Ganz abgesehen davon, dass hier die Vierbeiner Fuchs und Iltis zu Hause sind. Natürlich kann man während der Brut die Vögel nicht aus der Nähe beobachten. |
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Besser geht so etwas bei einem Dia-Vortrag. Dabei erfährt der Zuschauer, dass die Oster-Flut 1978 den Gelegen der Vögel geschadet hat. In solchen Fällen wird ein zweites Gelege in die Nester oder auf die Erde gebracht. Originell ist es zu erfahren, dass der scheue Turmfalke im Gestänge eines Mastes brütet und die Silbermöwen zum Teil zur künstlichen Übungsinsel der Bundeswehr umgezogen sind. Die grüner werdende Insel entspricht offensichtlich nicht mehr ihren Vorstellungen von Lühesand. Aber sonst finden sich hier die Sturmmöwe, die farbenprächtige Brandgans, der Austernfischer, Kiebitz, Bachstelze und Feldlerche. |
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Zu den Raritäten zählen die Schwarzkopfmöwe und ein Waldohreulen-Paar. In solch einem Biotop sind natürlich auch Insekten und Hornissen vorhanden sowie Sichelwespen, Nashornkäfer und Raupenarten. |
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Während Mastenmaler in luftiger Höhe verzinktes Eisen mit Farbe versehen (der Bericht wurde geschrieben, als der 228 m hohe Mast der NWK in die Höhe wuchs), flattert bei den Campern die Wäsche im Wind, irgendwo erklingt eine Gitarre, dicke Pötte ziehen hinter den Baumkulissen der Insel im Fahrwasser gen Hamburg oder seewärts, und zu ihnen gesellen sich die Camping-Wassersportler - natürlich außerhalb der Fahrrinne. Ein ideales Revier für die Wasserskiläufer jedoch ist die Binnenelbe, wo man Figuren, Bögen und vergängliche Furchen ins Wasser prägt, bis die Sonne sinkt. Insgesamt besitzt Lühesand rund 200 Standplätze für Wohnwagen, demontierbare Wochenendhäuser oder Zelte. Rund 170 dieser Plätze nehmen Dauer-Camper ein, den Rest die Wochenendzelter. Dazu kommen noch 16 Wochenendhäuser, die auch außerhalb der Saison stehen bleiben können. Die anderen jedoch müssen im Oktober, wenn der Sommer auch für die abgehärtetsten Camper unweigerlich zu Ende ist, ihre Zelte oder kleinen Bungalows abbrechen und die Wohnwagen auf kleine Fähren verfrachten und ans Festland bringen. Auch in einem Freizeitparadies wie Lühesand muss man für Herbst und Winter mit Sturmfluten rechnen. Früher kam es schon vor, dass ein Klapp-Bungalow vom Wasser abmontiert und elbabwärts geschwemmt wurde. Lühesand hat viel Anziehungskraft, wie sonst wäre es zu erklären, dass die meisten hier bereits runde 20 Jahre campen. Der 76jährige Friedrich H. Th. Schumann aus Hamburg verbringt bereits seit 1930 seine Wochenenden und den Urlaub auf dieser Insel. Er ist der älteste Camper hier. Für Abwechslung ist gesorgt auf Lühesand, auch dann, wenn das kein Verein organisiert. Den gibt es hier nämlich nicht. Lediglich der guten Lage wegen haben sich drei Paddlervereine aus Hamburg fest etabliert. Sonst aber kann man angeln, schlummern, faulenzen, ein Kinderfest organisieren, den allgemeinen Sportplatz nutzen oder Wassersport in allen seinen Varianten betreiben. Alle Altersgruppen sind vertreten, und ein Lampionkorso ist besonders etwas für Romantiker. Aber Romantiker sind fast alle, die Lühesand immer wieder besuchen. |
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